Rieben Weine - migliori vini d'Italia

SERRALUNGA D’ALBA

An der unscheinbaren Cantina von Baldo Cappellano bin ich in den letzten Jahren mehr als zehnmal unwissend vorbeigefahren. Dieses Mal hatte ich eine „segnalazione“ über einen „wilden“ Barolista, der Weine wie vor der Reblausplage des 19. Jht. mache. In keinem Weinführer ist er zu finden, und auch in der Realität war es nicht ganz einfach. Auf der Piazza und in der Bar in Serralunga d’Alba musste ich insistieren, als ich mich nach der Azienda Cappellano erkundigte. Man wollte mich zuerst zum Kaplan der Kirche schicken. Erst als ich wiederholt erzählte, dass es in der Lage Gabutti noch Nebbiolo Rebstöcke geben solle, die nicht auf amerikanischer Unterlage aufgepfropft seien, wusste man dann weiter. Ja, man kennt den Cappellano lokal halt unter dem Uebernamen Baldo.


Ich hatte Glück und konnte auf den nächsten Tag bei Mamma Cappellano einen Besuch abmachen. Empfangen wurde ich dann von einem gentleman, einem hochgebildeten, unkonventionellen, bäuerlichen Enthusiasten, der mir bereitwillig Kellereiräumlichkeiten zeigte, von seiner Jugend in Afrika erzählte, über George Bushs Irakkrieg lästerte, die amerikanische Dekadenz anprangerte. Es gibt ihn also noch, den contadino romantico e ribelle, der seinen Traum von der persönlichen önologischen Unabhängigkeit lebt und pflegt wie seinen Augapfel. Er unterstellt Angelo Gaja in öffentlichen Schriften, dass er Identitätsverrat am Piemont betreibe... Er hat mir aus der Seele gesprochen, der filosofo contadino. Gaja ist auch längst kein „Weinbauer“ mehr, sondern ein Marketingtechniker, allerdings ein genialer !

Mit den masslos überinvestierten modernen Barolisti, die in den Boomjahren Kellereien von 10 Mio Euro und mehr gebaut haben, hat er ebenso wenig Erbarmen wie ich. Nur meint er, dass die Banken die nicht fallen lassen .....“gli guariranno“, lui, „vedremo“, io !



Bei Cappellano: Kellereinrichtung wie zu Urgrossvaters Zeiten: alte peinlich sauber gehaltene Eichenfässer (botti) unterschiedlichster Grösse für die Reifelagerung, mit Glasschicht ausgestattete (vetrifizierte) Betontanks ebenfalls unterschiedlichster Grösse (der kleinste nur 300 Liter Inhalt), Edelstahltanks haben für die Lagerung nichts zu suchen: “sie metallisieren und verseuchen das Naturprodukt Wein !“ Die Betontanks hat er alle geschenkt erhalten, als die „acciaio INOX Manie“ aufkam; „non ho pagato neanche una Lira !“, sagt Baldo Cappellano schelmisch. Er bewirtschaftet - natürlich biologisch - nur etwas mehr als 3 Ha Rebberge. Ein kleiner Teil sind direkttragende Nebbiolo Rebstöcke, piede franco genannt (einige der berühmtesten Weine der Welt werden auch auf Direktträgern produziert: Romanée Conti, Vega Sicilia !), also nicht wie in ganz Europa nach der Reblausplage üblicherweise auf amerikanischer Unterlage aufgepfropfte Reben. Von diesem Barolo gibt’s nur homöopathische Dosen. Aber auch der Barolo Piè Rupestris Nebioli 2001 und der Barbera d’Alba Gabutti 2003 sind eine Klasse für sich.
Im Wein hat man nie ausgelernt... 
und im Glas: un altro mondo del Piemonte!

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PIEMONTE - BALDO CAPELLANO

Geschichten und Erlebnisse

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